Dienstag, 14. August 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 5 bis 6)


DON 5/76 erscheint im Mai 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


Das hier abgebildete Modell heisst weder Billy, noch ist es ein US-Amerikaner. Vielmehr handelt es sich um den (bundesweit bekannten) Münchner Callboy Marcel, der auch heute noch - 36 Jahre später - mit "Marcel's Gesellschafterteam München" (MGM - München´s Escort-Service! Luxus-Penthouse im Zentrum, Hotelbesuche, Hausbesuche, Reisebegleitung, auch international) sozusagen im Geschäft ist.


Damals (in DON) so aktuell, wie heute (als dieser Post verfasst wurde): Das jüdisch-muslimische Vorhaut-Abschnippeln. Und da es sich um einen Bericht aus der Fremde handelt, wurde sogar ein "Auslandskorrespondent" mit einem thematisch passenden Namen - Elef Selcuk - kreiert.


Eine hübsch geschriebene Geschichte über eine Teneriffa-Reise, ohne den geringsten Informationsgehalt für Schwule. Sie könnte - mit minimalen Wortänderungen - im Apothekenblatt stehen.


DON 6/76 erscheint im Juni 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


"Lieber Leser! Ehrlich gesagt, ich bin 'in Schwulitäten'. Anlass dafür sind einige Wörter. Also - wie sollen wir uns denn nun bezeichnen - Homophile, Schwule, Homosexuelle, Warme, Homotrophe ... oder? ... Es gibt viele Standpunkte, viele Interpretationen und viel Leserpost ... Ist die eigene Bezeichnung für uns selbst und für unsere Position in der Gesellschaft nicht von erheblicher Bedeutung? ... In DON verwenden wir zumeist das Wort 'homosexuell' [erst seit etwa 2 Jahren!], nicht zuletzt deshalb, weil es unter anderem auch in sachlichen Diskussionen und Berichterstattungen der Öffentlichkeit verwendet wird. Und trotzdem stört uns etwas daran: Die Betonung des Sexuellen ... In jüngster Zeit schreiben nun homosexuelle Initiativgruppen das Wort 'schwul' auf ihre Fahnen. Wohl ganz bewusst in einem radikalen Sinne. Ich persönlich halte diesen Ausdruck für denkbar ungeeignet, da er mit stark negativen Vorstellungen belastet ist, und da man ihn in der Öffentlichkeit gerade in dieser negativsten Bedeutung verwendet. Jeder, der sich ein wenig in der Publizistik oder in der Gesellschaftspolitik, in der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch in der Werbung auskennt weiss, wie schwer es ist, wenn nicht gar unmöglich, Worten mit negativen Assoziationen neue, positive Inhalte zu geben ..."

Ich habe schon an anderer Stelle wiederholt erzählt, dass ich mich mit den Wörtern 'schwul' und 'Schwuler' lange Zeit schwer getan habe. Vielleicht war das auch ein wenig Generationenfrage, schliesslich hatte ich die Studentenzeit (leider) schon 9 Jahre zuvor beendet.

Ärgerlich fand ich später, dass ich in diesem Vorwort zwar viel um den heissen Wortbrei herumrede, aber kein einziges Wort darüber verliere, warum sich (linke) Schwulengruppen - zumeist Studenten - damals ganz bewusst für dieses Negativwort entschieden haben.
(Vgl. Bürgerrechtsbewegung in den USA - black is beautiful - black hatte den gleichen Negativcharakter.)


Über die (verbale) Freizügigkeit, mit der 'Masseure' und 'Modelle' (sogar 3 bis 4 Anzeigenseiten voll) bereits 1976 im US-amerikanischen The Advocate ihre körperlichen Maße, Vorzüge und behandlungstechnischen Qualitäten anpreisen.


Der Beitrag stammt von mir (den Namen "Dr. Gerd Michaelis" hat mir offensichtlich der Verleger verpasst!), denn mit der berühmten Anthropologin und Ethnologin Margaret Mead habe ich mich intensiv während des Studiums befasst. " ... Diese erste Artikelfolge beschäftigt sich nicht vordergründig mit der Homosexualität des Mannes, sondern will vielmehr aufzeigen, dass die Normen unserer Gesellschaft bei der Rollenverteilung von Mann und Frau, in der Bewertung der Sexualität, mit ihren angeblich typischen Verhaltensformen von Mann und Frau und ihren Beziehungen zueinander keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben - krass gesagt: nicht gottgewollt sind. Dass vielmehr die jeweilige Gesellschaftsform die Entwicklung von Jungen und Mädchen, ihre Verhaltensformen und ihre Einstellung zur Sexualität prägt - alles wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Feldforschung ... " zu deren prominentesten Vertretern die US-Amerikanerin Mead zählt.



Mit dieser ersten in DON veröffentlichten Foerster-Anzeige haben wir ein schönes Beispiel, wie in Wikipedia Legenden gestrickt werden (vgl. die Legenden des Bruno Gmuender in brunoleaks).

In Wikipedia beginnt die Geschichte des Kurt-Joachim-Foerster (*1952) mit der Gründung eines "Fotokunst"- später Buch-Verlages im Jahr 1977, von dem nicht das Geringste (mehr) aufzutreiben ist. Also zwei Jahre nachdem es längst einen Foerster-Versand gab, der sich auf die Pädo-Thematik und schwule Geilheiten spezialisiert hatte (empfehlenswert die von mir verfasste "etwas andere Biographie" des Kurt-Joachim Foerster).

Obige Anzeige bietet u.a. Porno-Paul, Schwanz-Parade, Der Mann mit dem goldenen P., Lust-Slip-Boy und Beaux, Ramrod und Rick. Die meisten dieser Angebote waren/sind - nach deutscher Gesetzgebung - reinste Pornographie.

PS: Ab der Ausgabe 4/1975 steht Joachim Foerster eine zeitlang im DON-Impressum als Mitarbeiter für "Anzeigen und Leserbetreuung".